Nach einem oft unberechenbaren Winter, heuer mit teils längeren Frostphasen, steht der März im Zeichen der Erwartung – und des Erwachens.
Je nach Lage der Bienenstände locken die ersten warmen Tage die Bienen ans Flugloch. Der Reinigungsflug bringt Leben an den Stand. Doch gerade jetzt sind viele Völker verletzlich.
Wer aufmerksam beobachtet, erkennt, dass die Vorräte zu Brutbeginn rasch schwinden.
Die Königin startet mit der Eiablage und der Futterverbrauch steigt rasant, sodass mancher Stock trotz scheinbar üppiger Vorräte in eine kritische Lage geraten kann. Ein kurzer Blick unter die Folie und eine sorgfältige Kontrolle des Gewichts – das hilft, rechtzeitig für Entlastung zu sorgen.
Für viele Jungimkerinnen und -imker beginnt nun die spannendste Phase des Jahres. Der Wunsch, eigene Völker zu erwerben, ist verständlich – doch gerade in Zeiten wechselhafter Frühjahre ist Geduld gefragt. Ein wohlüberlegter Start und die Wahl gesunder, regional angepasster Bienen zahlen sich langfristig aus. Qualität geht vor Quantität. Denn wer jetzt mit Bedacht handelt, legt den Grundstein für ein erfolgreiches Imkerjahr.
Auch in der Imkerei hält die Zukunft Einzug: Die Digitalisierung verändert zunehmend unsere Betriebsweisen. Temperaturfühler im Brutraum, Waagen mit
Online-Auswertung oder Apps zur Königinnenzucht – die Werkzeuge werden vielfältiger. Und neuerdings rückt sogar die künstliche Intelligenz an die Seite der
Imkerinnen und Imker: von der automatischen Volksbeobachtung über die Erkennung von Schwarmstimmung bis hin zur Datenanalyse größerer Imkereibetriebe. All
das kann nützlich sein – wenn wir nie vergessen, dass letztendlich Erfahrung, unser Gefühl und unsere Verantwortung den Unterschied machen. Ohne das Know-how der
Imkerinnen und Imker klappt die Bienenhaltung einfach nicht.
So wie der März den Übergang vom Winter in die Arbeitssaison markiert, stehen auch wir Imker an einer Schwelle: zwischen Tradition und Technologie, Beobachtung
und Berechnung. Wenn beides im Gleichgewicht bleibt, kann daraus eine starke Zukunft für die Imkerei und unsere Bienen entstehen.
Ich wünsche Euch/Ihnen einen
schönen (Vor-)Frühling.
REINHARD HETZENAUER
Präsident des
Österreichischen Imkerbundes