Der Juni steht im Zeichen der Fülle. Die Völker erreichen ihre maximale Stärke, Trachten fließen reichlich, und vielerorts beginnt bereits die Honigernte.
Für uns Imkerinnen und Imker bedeutet diese Zeit intensive Arbeit am Bienenstand, Aufmerksamkeit für Schwarmstimmung, Raumgabe und zugleich die Vorbereitung auf eine der sensibelsten Phasen des Bienenjahres: die Honiggewinnung.
Gerade bei der Ernte zeigt sich, wie entscheidend Sorgfalt und Fachkenntnis sind. Hygiene ist dabei kein bloßes Schlagwort, sondern Grundlage für ein einwandfreies Lebensmittel. Unsachgemäße Lagerung, unzulängliche Gerätschaften oder feuchte Honigwaben können rasch zu Qualitätseinbußen
führen. Es liegt in unserer Verantwortung, durch konsequente Sauberkeit, rasches Verarbeiten und geeignete Lagerbedingungen die hohe Qualität unseres Honigs
zu sichern. Gleichzeitig gewinnt die Regionalität weiter an Bedeutung.
Konsumentinnen und Konsumenten schätzen zunehmend die nachvollziehbare Herkunft und die enge Verbindung zwischen Imkerei, Landschaft und Produkt. Österreichischer Honig steht für Vielfalt, geprägt durch unterschiedliche Trachten, Regionen und klimatische Bedingungen. Diese Vielfalt ist unsere Stärke – und ein wesentlicher Beitrag zur Wertschöpfung im ländlichen Raum.
Mit dem Honigertrag unserer Bienenvölker können wir den Bedarf in Österreich nur zu ca. 40 Prozent befriedigen. Der Rest muss aus der ganzen Welt importiert werden.
Wir beschweren uns immer über die weiten Transportwege. Beim Honig stören wir uns kaum daran. Wenn man bedenkt, dass der Pro Kopf-Verbrauch an Honig bei einem
Kilogramm liegt, so darf der Preis keine wesentliche Rolle spielen.
In diesem Sinne müssen wir unsere Konsumenten aufklären. Greift zu Honigen aus der Region. Der Österreichische Honig ist ein namentlich geschütztes Produkt von einzigartiger Qualität, die nicht zufällig passiert. Sie ist das Ergebnis engagierter Arbeit, klarer Richtlinien und eines hohen Bewusstseins für Nachhaltigkeit und Verantwortung.
Jede einzelne Imkerin und jeder Imker trägt dazu bei, dieses Vertrauen zu erhalten und weiter auszubauen.
Nutzen wir die arbeitsreiche Zeit im Juni, um mit Umsicht, Fachwissen und Leidenschaft die Grundlage für ein hochwertiges Produkt zu legen, das weit über unsere Grenzen hinaus geschätzt wird.
Ich wünsche einen guten und ertragreichen
Start in die Erntesaison, viele Ableger
und einen wunderschönen Juni.
REINHARD HETZENAUER
Präsident des
Österreichischen Imkerbundes